Sainte-Amélie, die Erbin der italienischen Kunsttradition

Audioguide

Die Kirche Sainte-Amélie zeichnet sich durch ihr atemberaubendes Dekor aus. Schon beim Betreten genügt ein Blick, um zu verstehen, dass es sich hier um ein außergewöhnliches Kunstwerk handelt.


Stark in der italienischen Kunsttradition verankert, ließ sich Guido Nincheri unter anderem von bedeutenden Künstlern der Renaissance wie Tizian, Michelangelo und Raffael inspirieren.


Im Kirchenschiff, dem Hauptteil der Kirche, fällt sofort die gewölbte Decke auf. Strukturelle Bögen unterteilen sie in acht (8) Abschnitte, die als Spannweiten bezeichnet werden.


Jede dieser Spannweiten ist in vierundzwanzig (24) Bereiche unterteilt, die größtenteils mit Blumen und stilisierten Kreuzen geschmückt sind. Die Engel vervollständigen das Dekor des Gewölbes.


Nincheri war für seine lebendigen und farbenfrohen Darstellungen bekannt. Die Engel sind ein prächtiges Beispiel dafür. Um realitätsnahe Charaktere zu gestalten, malte er anhand von Modellen. Können Sie erraten, wer für die Engel Model stand?


Um darauf zu antworten, sollte man wissen, dass sich damals die Schule Sainte-Amélie in der Nähe der Kirche befand. Also wandte sich der Künstler an die jungen Mädchen, die sie besuchten!

zoom icon
Die jungen Mädchen der Schule Sainte-Amélie dienten als Vorbild für die Gestaltung der Winkel
Bildquelle : Kassandra Blais - © Église Sainte-Amélie

Nehmen Sie sich Zeit, zu beobachten mit welcher Finesse der Künstler die Reliefs und Schattierung gestaltet hat. Diese optischen Täuschungen und Reliefs waren auch in der italienischen Renaissance-Malerei üblich.


Guido Nincheri beherrschte nicht nur die Farben. Er verstand es auch, die Form auf eine außergewöhnliche Weise wiederzugeben. Schauen Sie sich in den Gewölbereichen um: Man könnte meinen, dass sich dort Steinskulpturen befinden. Das ist nicht der Fall: Es handelt sich um optische Täuschungen. Dank seines Geschickes erstellt Nincheri dreidimensionale (3) Reliefs in der ganzen Kirche. Sie können diese künstlerischen Illusionen auch an den Buntglasfenstern, an den Bögen, an den Wänden und sogar an den Leuchten bewundern.

Simulation der Entstehung eines Trompe-l'oeil in den Fresken von Ninchiri